Romantik, Verklärtheit, Schloss, Altstadt, Studenten, Touristen …
Was fällt einem nicht alles ein zum Thema Heidelberg. Zumindest, wenn man in relativer Nähe dazu wohnt (knappe 50 km Luftlinie). Dazu kommt, dass die Heidelberger eindeutig Pfälzer sind. Man fühlt sich zuhause dort, ist doch zwischen all’ den fremden Sprachen immer wieder der (kur)pfälzische Tonfall der Eingeborenen herauszuhören.
Der SAS-Halbmarathon sollte es also sein. Die Neugierde wurde geweckt schon aufgrund der Tatsache, dass der Lauf mit den 3500 Startplätzen regelmäßig nach wenigen Stunden ausgebucht ist. Da muss es doch irgendwas geben, was die Sache so begehrenswert macht …
Um den Laufsonntag etwas entspannter angehen zu können, machten wir uns am Samstag zu zweit auf, um die Startunterlagen unserer Läufer abzuholen. Wobei sich “Startunterlagen” auf einen dünnen Umschlag beschränkte, der außer der Startnummer zwei Werbezettel und einen kleinen Stadtplan enthielt. Auf die anderenorts üblichen umfangreichen “Startpakete” hatte man hier verzichtet. Man kann darüber streiten, ob man die Startnummer mit allerlei Proben, Mustern und Werbung zusammen überreichen muss … in Heidelberg muss man das nicht.
Die Abholung der Unterlagen wurde gleich zum Geduldspiel. In einem viel zu kleinem Raum bildeten sich lange Schlangen. Es war heiß, stickig und voll. Die Besichtigung des eigentlichen Zielbereiches weckte einige Zweifel, ob dieses Plätzchen am Sonntag tatsächlich 3500 Läufer plus dem Begleitpersonal und dem sonstigen Publikum würde aufnehmen können. Die Marathonmesse bot die üblichen Schnäppchen, die ich mir aufgrund der ohnehin schon vorhandenen Enge im Kleiderschrank guten Gewissens sparen konnte. Die angebotenen Shirts speziell zum Lauf (21,– Euro extra) waren nicht wirklich schön und die aufgedruckten Sponsoren hinterliesen den Eindruck, dass man hier ein hübsches Zusatzgeschäfft machte.
Am Sonntag waren wir zu recht früh, aber es gab immerhin schon Kaffee. Zuerst im Zelt, später suchten wir dann die Sonne, die sich zu diesem Zeitpunkt noch etwas zierte. Kurze Zeit später füllte sich dann der Platz zusehends und es wurde überall etwas eng. Wohin man auch wollte, es musste geschlüpft, gedrängelt und gedrückt werden. Mag’ ich garnicht. Die Startboxen waren tatsächlich solche und es wurde kontrolliert, dass sich kein “langsamer” nach vorne drängelte. Das kannte ich so noch nicht. Die ganze Startprozedur fand ich vorbildlich organisiert und der Start der einzelnen Blöcke im 5-Minuten-Abstand war reibungslos und pünktlich.
Die ersten zweieinhalb Kilometer lief man durch die Altstadt und nach der alten Neckarbrücke wurde die Straße breit und das Feld hatte sich soweit entzerrt, dass ein komfortables Laufen möglich war. Eine Runde durch Neuenheim und nach 7 km ging es dann über den Philosophenweg nach oben. Wobei man schon nach wenigen Meter darüber philosophieren konnte “Was mach’ ich hier eigentlich …”, denn inzwischen machte sich die Sonne deutlich bemerkbar und es wurde schon etwas mühsam. Wechselnde Steigungsgrade, auch mal ein Stückchen geradeaus oder sogar ein wenig abwärts, insgesamt aber immer nach oben, bis nach 10,5 km der höchste Punkt erreicht war. Die Strecke hatte inzwischen den schattigen Wald erreicht, was das Laufen spürbar erleichterte. Auf den nächsten Kilometer ging es wieder abwärts bis bei km 12,5 eine weitere, im Höhenprofil kaum auffallende Steigung begann. Steil, steiler und wieder voll in der Sonne. Nur ein relativ kurzes Stück, aber absolut kraftraubend. Zur Belohnung oben eine Bergankunft à la Tour de France im Zuschauerspalier und eine Getränkestelle. Danach steil bergab nach Ziegelhausen, eine Schleife und wieder über den Neckar. Hier ging es ab km 16 wieder nach oben Richtung Schloss. Gleich zu Beginn wieder steil bergauf und an diesem Punkt war mein Lauf eigentlich zu Ende.
Bis dahin lag ich klar auf Kurs unter 2 Stunden, was ich mir als (heimliches) Ziel gewünscht hatte. Zwar kosteten die Bergauf-Passagen reichlich Zeit, was jedoch durch die schnellen Bergab-Stücke kompensiert werden konnte. Aber nun war es einfach vorbei. Es ging kaum noch vorwärts. Keine Kraft mehr, die Muskeln dicht, der Kopf heiß, obwohl ich bereits einige Wasserbecher nicht in, sondern über mich geschüttet hatte …
Ich ergab mich in mein Schicksal, machte langsam (zwangsläufig) und ausgiebig von den Getränkestellen Gebrauch. Oben am Schloss, ab km 19 ging es dann endgültig nach unten. Teilweise steil und mit müden Beinen schwer zu laufen. Das brachte noch zwei recht schnelle Kilometer, aber die verlorene Zeit war nicht mehr aufzuholen. Mit 2:07 blieb ich ein ganzes Stück hinter meinen Erwartungen zurück. Woran das nun lag? Marathontraining, viele Kilometer in den Beinen, Hitze, Stress … eigentlich ist es nicht wichtig. Ich bin auch nicht wirklich böse mit mir. Es war ein Trainingslauf mit vielen Bergauf-Metern und als solches war es ok.
Im Zielbereich wartete das befürchtete Chaos. Man musste sich regelrecht zu den Getränken durchkämpfen, das ganze wieder zurück und auf Umwegen endlich zum Treffpunkt mit den anderen.
Fazit: Der SAS-Halbmarathon in Heidelberg ist ein Lauf, den man durchaus einmal mitmachen sollte. Die Strecke ist schwer, aber wunderschön und der Lauf an sich gut organisiert. Die Getränke waren genau an den richtigen Stellen plaziert und die Zuschauer sind zahlreich, aktiv und engagiert dabei. Das Chaos auf dem zu engen Ziel-Platz ist weniger schön, aber inmitten der Heidelberger Altstadt wohl nur schwerlich besser zu lösen. Die Preisgestaltung allerdings finde ich bemerkenswert. 21 Euro für den Lauf, weitere 21 Euro für ein Laufshirt (das man natürlich nicht braucht). Wenn dann aber der Veranstalter es als verkündenswert ansieht, dass es – neben Getränken – im Ziel auch eine Banane für die Läufer gibt, finde ich das – bei diesem Preis – geradezu lächerlich. Da gibt es Läufe, die für wesentlich weniger Geld Verpflegung “satt” auftischen. Dass wir am Ende im Parkhaus 9 Euro für die paar Stunden löhnen mussten, passt ins Bild. Da hätte man den Läufern durchaus ein wenig entgegenkommen können, aber da greift wohl der “Heidelberg-Zuschlag …”
Der Sieger schaffte die schwere Strecke in 1:15 und innerhalb des Zeitlimits von drei Stunden blieben knapp über 3500 Läufer, also scheinbar fast alle. Auch das bemerkenswert.