Emma war da.
Zweimal gleich – gestern und heute schon wieder. Emma, der Sturm, der unseren planmäßigen 30-km-Lauf am Samstag verhindert hatte. Eine 30-km-Südpfalz-Runde sollte es werden. Aber: viel offenes Feld und auf dem Rückweg 10 km gegen den Wind liesen gestern an ein Laufen garnicht denken und nach den letzten Vorhersagen sollte es heute nicht günstiger sein.
Da ich aber nicht noch einen Tag auf der Couch „verplempern“ wollte, sollten wenigstens die Beine bewegt werden. Eine 10er Runde. Als Wetter-Test sozusagen. Trotz Windes und heftiger Böen zwischendurch. Für alle Fälle Getränke mitgenommen – vielleicht können es doch ein paar Kilometer mehr werden? „Feste“ Verpflegung gabs keine – die Fettverbrennung sollte trainiert werden.
Kurz nach 9:00 Uhr gings los. 500 m durchs Dorf, relativ windgeschützt, dann 1 km Wind von links und dann erst mal Rückenwind. Ein Läufer kam mir entgegen, ziemlich angestrengt der Junge. Ich nicht. Es lief leicht und locker – kein Wunder, Rückenwind halt. Nun ja – beim Einbiegen auf die Gegenwind-Strecke kam es dafür umso dicker. Da war der stürmische Lauf von letzter Woche ein Klacks. Aber gut. Die ersten 10 km habe ich gut zu Ende gebracht und so könnten es noch 10 werden. Der Gegenwind wurde heftiger, aber auch diese 10 gingen vorbei. Die 30 km waren im Kopf, nun sollte es so nah wie möglich an den 30er gehen. Aber nein – wenn schon, dann laufe ich die 10er Runde komplett. Auf der letzten Gegenwind-Strecke zeigte der Wind dann endgültig, was in ihm steckte. Brutale Böen, den Atem raubend, kämpfen und dagegenstämmen. Kaum ein Vorwärtskommen. Die Luft blieb weg, vom Wind abgeschnitten. Den Kopf zur Seite – so gehts.
Das war das härteste, was ich mir als Läufer jemals zugemutet hatte. Fix und fertig. Alles was irgendwie mit Beinen zu tun hatte, tat weh. 30 km gelaufen, 36 gefühlt – oder so ähnlich.
Aber ich hab’s geschafft. Ein Lauf für den Kopf. Kein Gedanke daran, aufzuhören. Ich bin noch nie 30 km so selbstverständlich gelaufen wie heute. Das ist es, wo ich hinmöchte. 30 km laufen zu können, ohne sich groß Gedanken machen zu müssen. So wie ich den Halbmarathon laufe – einfach drauf los. Aber die Strecke zu „schaffen“ – keine Frage. Und das bei dem Wetter. Oder gerade bei dem Wetter? Vielleicht hat das Wetter soviel Aufmerksamkeit benötigt, dass ich an die Länge des Laufes gar keine Gedanken zu verschwenden hatte? Wie auch immer – ich bin zufrieden mit mir und der Welt.
30,87 km – 3:11:03 Std.
Auch wenn man irgendwann keine Angst mehr vor Strecken jenseits der 30 km hat, Respekt ist immer angebracht. Sonst erlebt man ganz schnell böse Überraschungen. Aber es ist natürlich trotzdem schön, dass es so gut bei dir läuft.
Viele Grüße
Ralf
Hallo Ralf,
Respekt habe ich immer. Aber es ist toll, wenn sich Grenzen verschieben, wenn man Zielen näherkommt, wenn man spürt, dass das „Anstrengen“ Wirkung zeigt und das „Kämpfen“ nicht umsonst ist.
Viele Grüße
Gerhard
Ich erinnere mich noch sehr gut daran als ich genau das gleiche fühlte. Ich lief durch den Wald, einen unbekannten Weg und dachte : Was soll´s wenn ich mich verlaufe ich kann ja mindestens 3 Stunden laufen. Ein wirklich tolles Gefühl.
Allerdings war das heute wirklich kein Wetter für gute Zeiten. Aber das wird noch bis nächste Woche un wenn nicht, haben wir wenigstens schon mal eine gute Ausrede wenn es nocht so gut klappt!
Ansonsten werde ich bis zu meinem nächsten Marathon in Mainz bestimmt noch den einen oder anderen 35km Lauf machen. Ich habe schon manches Mal Lehrgeld zahlen müssen und bin bei km 35 eingebrochen.
Stark !!
– ein echter Läufer,
den kann nichts, aber auch gar nichts erschüttern.
30 km gelaufen, egal wie – allem Wetter zum Trotz “
Bei gutem Wetter kann schließlich jeder laufen !
Du bist gerüstet für den Marathon, hast Dich wacker geschlagen, kann eigentlich nix mehr passieren !!
Martin:
Solche „Entdeckungsreisen“ hab’ ich früher auch gern gemacht, aber immer „Zu Fuss“ mit Wanderschuhen und Kamera. Und verlaufen im großen, dunklen Wald …
Margitta:
Jaja – das sagst Du so leichtfertig als ultraerprobte Langläuferin. Aber ich werde dran denken, wenn ich mich bei km 35 mal wieder frage: „Was tust Du hier eigentlich?“
Aber Du hast recht: Es war ein großer Schritt für mich.
„Aber Du hast recht: Es war ein großer Schritt für mich.“
Die mentale Stärke ist nicht zu unterschätzen, ohne sie ist es zuweilen sehr schwer, einem eventuell aufkommenden Gedanken des Aufgebens nicht nachzugeben.
Ganz nebenbei und vergessen:
Ich bin bei meiner Vorbereitung zu einem Marathon niemals mehr als 30 Kilometer gelaufen, und es ist aus meiner Sicht auch nicht erforderlich.