Was ist das: knapp über 600 Menschen stehen dichtgedrängt kurz vor Mitternacht auf einer ansteigenden Straße und warten, dass es knallt?
Richtig: Mitternachtslauf in Albersweiler. Alle Jahre wieder am Weinfest-Freitag. Früher mit bis zu 1500 Läufern hoffnungslos über”laufen”, waren es dieses Jahr nur 617 Zieleinläufer. Nachdem es im letzten Jahr lange Zeit unklar war, ob die Veranstaltung überhaupt stattfindet, hatten wohl viele Stammgäste den Lauf aus ihrem Laufkalender gestrichen. Schade.
Trotzdem waren wieder ganze Busladungen mit “Lauftouristen” weite Strecken angereist, um sich den Spaß nicht entgehen zu lassen. Spaß – das ist auch das Stichwort, unter dem man die Veranstaltung sehen sollte. Die Strecke ist sehr profiliert und bestimmt ein Viertel der Läufer besteht aus Zeitgenossen, die sich an diesem Abend wahrscheinlich zum einzigen Mal im ganzen Jahr “laufend” bewegen. Dafür stehen diese dann beim Start in der ersten Reihe.
Wie schon kurz im Vor-Eintrag erwähnt, beinhaltet die Strecke zwei – zwar kurze – aber sehr üble Steigungen und so mancher, der hier zum ersten Mal läuft wird sich gewaltig erschrecken. Am Start herrscht auch dieses Jahr die pure Anarchie und ich werde nächstes Jahr sehr weit hinten stehen (hoffentlich denke ich nächstes Jahr noch daran).
Mit dreiminütiger Verspätung geht es auf die Reise. Der Start liegt bezeichnenderweise bereits in einer Steigung, die nach zweihundert Meter ihre Fortsetzung in einer scharfen Linkskurve findet. Da wird geschoben, geschubst und sich mit Gewalt den Weg frei gedrängelt. Nicht so schön. Nach der Linkskurve legt die Strecke noch an Steigung zu und nach einer kurzen Geraden geht es rechts herum und dann so richtig den Berg hoch. Spätestens hier trennt sich schon einige Spreu vom Weizen, sprich: Läufer von Gehern und wer am Ende des Anstiegs die Nase vorn hat, hat den Rest des Laufes freie Bahn. Oben angekommen, geht es einige hundert Meter flach weiter und dann steil und kurvig wieder nach unten. Es folgen einige Wellen, viele Kurven und anfangs des dritten Kilometers folgt die zweite Steigung, wie die erste moderat beginnend, um dann nach einer Biegung plötzlich auf 50 m Länge steil ansteigend. Noch einige flache Meter und dann steht man schon wieder am Beginn der langen, hier noch sanft ansteigenden Geraden, an deren Ende der Start erfolgte. Und dann – weils so schön war – das ganze nochmal.
Die erste Runde hatte ich ganz passabel hinter mich gebracht, knapp über 5:00 für den ersten Kilometer mit der Steigung, 4:30 für den zweiten, dann nochmal knapp über 5:00 und den Kilometer vier mit dem langen Anstieg absolvierte ich in 5:20. Da war ich schon reichlich müde. Die zweite Runde war dann entsprechend langsamer. Der Kilometer fünf war 30 Sekunden langsamer, der sechste knapp 20 Sekunden, beim siebten schaffte ich es, “nur” 10 Sekunden draufzupacken und lediglich der letzte Kilometer war in der zweiten Runde um 10 Sekunden schneller. Die Strecke war insgesamt nicht ganz die angekündigten 8,4 km lang, mein Forerunner zeigte eine Länge von 8,07 Kilometern. Reichte auch.
Dafür, dass ich den Lauf ohne jegliche Ambitionen und aus dem Marathontraining heraus absolvierte, bin ich doch überrascht, dass am Ende mit 41:31 Minuten eine Verbesserung um immerhin eineinhalb Minuten gegenüber dem Vorjahr herauskam. Erstaunlich. Was mir nicht gefiel, war mal wieder, dass ich in den Gefällen viele Plätze verlor, die ich an den Steigungen nur zum Teil wieder aufholen konnte. Wie lerne ich schnelles Bergablaufen? Der 249. Platz von 614 Zieleinläufern wurde es am Ende. Das ist ok.
Der letzte Zieleinläufer war wie jedes Jahr das Mitternachtsgespenst, das gestern auf den Namen “Eveline” hörte. Wie jedes Jahr passt es auf, dass unterwegs niemand verlorengeht. Der gespenstische Zieleinlauf erfolgte 1 Stunde und 17 Minuten nach dem Startschuss. Der Sieger benötigte 26:34 Minuten!
Bis ich dann zuhause angekommen und geduscht war, endlich eine Kleinigkeit gegessen hatte und noch ein wenig vor dem Fernseher (das Programm ist nachts auch nicht besser als tagsüber) zur Ruhe gekommen bin, gings um drei Uhr endlich zu Bett. Um 9 war ich schon wieder auf den Beinen, weil vor dem Urlaub noch etwas Arbeit erledigt werden musste. Dafür genehmigte ich mir einen Lauf-freien Tag und die Couch war heute Mittag mein Freund.
Morgen gehts wieder auf die lange Reise. Knapp 30 Kilometer warten. Aber schön langsam und ohne böse Steigungen!
Dir morgen viel Spaß und nicht mehr zuviel Stress vor dem Urlaub – das ist nämlich m.E. mit der schlimmste und einfach nur total grässlich.
Übrigens kann das Fernsehprogramm nachts nicht besser sein, da laufen nur die Wiederholungen vom Tag;)
Vielen Dank.
Der Stress ist jetzt vorbei – zum Glück.
Jetzt kommen zwei Wochen Erholung – hoffentlich.
So einen Mitternachtslauf find ich ja auch spannend. Ich könnte mir nur vorstellen, dass mein Körper einfach nicht über die Ziellinie gehen würde und einfach einschläft, anstatt zu laufen. Gibt das keine Probleme?
Schöne Erfahrung, nachts zu laufen und dann noch eine Verbesserung zum letzten Jahr, was will Mann mehr ? Abwärtslaufen eine Qual und nicht gerade das allerbeste für die Knie, darum mach dir nichts draus, schone deine Knie und habe dir die Geschwindigkeit für flache Läufe auf.
Nachts fernsehen, ich bin schon tagsüber bedient von dem überaus intelligenten Angebot, darum zurück zum Buch.
Viel Spaß heute !! Ich denke an dich !
P.S. ich laufe gerne nachts, am schönsten ist es, wenn man den Sonnenaufgang miterleben kann..
@Anja: Der Lauf um diese Zeit ist nicht das Problem. Die Wartezeit bis dahin ist ätzend, wenn der Körper wie gewohnt langsam “herunterfahren” möchte und das irgendwie verhindert werden muss. Man kann nix essen, kaum was trinken und das Weinfest ist sowieso tabu (boahhh).
@Margitta: Ach, das mit dem Bergablaufen macht mir ja nix. So viele Bergläufe mache ich ja nicht, und da geht es eher bergauf. Wenn sonst alles im Lot bleibt, bin ich zufrieden.
“Zurück zum Buch” ist immer eine gute Alternative zum Fernsehen. Mach’ ich auch gerne.
Dir einen schönen erholsamen und angenehm aufregenden Urlaub mit vielen schönen gelaufenen Kilometern und allem was für Dich noch dazu gehören mag!
Und wenn es weg geht, dann eine gute Reise noch dazu…