Natürlich war er nicht da. Genausowenig wie Boerne, Thiel und „Alberich“. Schade.
Dafür waren genug andere beim Marathon in Münster. 3500 gemeldete Marathonläufer und dazu 900 Staffeln sorgten beim Start für wärmende Enge. Das Wetter war nämlich nicht so toll. Für die Zuschauer wohlgemerkt. Die Läuferschar freute sich über coole Temperaturen, bedeckten Himmel und zum Glück nur mäßigen Wind. Fast optimal.
Nach dem Start mit dem üblichen Gedränge, Stockungen, Stau, Gestolper, rücksichtslosen Dränglern (dem einen oder anderen hätte ich schon mal gern ein Bein gestellt) entzerrte sich das Geschehen doch recht schnell (immer wieder verwunderlich, wie schnell das geht) und man konnte ziemlich unbehindert die Strecke in Angriff nehmen.
„6er“ Schnitt. Das war die grobe Devise für unseren Lauf. Was auf eine Endzeit im Bereich von 4:13 Std. hinauslaufen würde. Mehr sollte es heute nicht sein. Nach dem Aussteigen beim Trollinger Hitzemarathon wollte ich wissen, wo ich stehe. Werde ich diesen Aufwand mit Marathontraining, langen Läufen usw. weiter betreiben oder belasse ich es doch bei kürzeren Distanzen? Von daher doch ein gewisser Druck, den ich mir selbst auferlegt hatte.
Den 6er Schnitt haben wir tatsächlich geschafft. Einen Kilometer lang. War-ja-klar. Es war aber kein wildes Drauflosgeholze, sondern kontrolliert, immer im Rahmen des Verträglichen und kritisch von mir selbst beobachtet. Was machen die Beine? Irgendwelche Warnzeichen, die möglichst zeitig erkannt werden sollten? Nichts. Alles im grünen Bereich. Es lief und machte Spaß. Mit zunehmender Streckenlänge immer mehr.
Die ersten Kilometer waren eine Stadtbesichtigungstour. Nach 56:30 Minuten waren 10 km erlaufen und kurz darauf ging es hinaus zum Aasee, eine halbe Umrundung und dann wurde aus dem Stadtlauf ein Landschaftslauf. Flach die Landschaft und weitestgehend flach auch die Laufstrecke, obwohl doch die eine oder andere fiese Steigung an den Autobahnbrücken bzw. Unterführungen auf uns wartete.
Im Frühjahr, in Heilbronn war mir spätestens nach 15 km klar, dass ich an diesem Tag an den 42 km scheitere. In Münster wusste ich an dieser Stelle, dass es heute funktionieren würde. Wie soll man das erklären? „Das weiß man einfach“. Also: locker weiter.
Die Kilometerzeiten pendelten um die 5:35/5:40, ab und zu einen langsameren Kilometer eingestreut, mal auch ein Ausreisser nach unten, die HM-Marke wurde nach 2 Std. überlaufen und wir waren gut unterwegs. Die Beine waren nach wie vor frisch, alles fühlte sich gut und flüssig an. Also weiter. Locker, flockig, „alles fließt…“
Auch der dritte 10er lag im gleichen Tempobereich. Sehr schön. Dann kam der km 33 und mit ihm der Schmerz. Schon einige Kilometer vorher ein leichtes Ziehen. Nicht wirklich störend, daher weitestgehend unbeachtet. Man(n) muss sowas auch mal ignorieren können. Jetzt aber plötzlich sehr präsent und schmerzhaft. Ein Schmerzpunkt im rechten Rückenbereich, ausstrahlend über die Hüfte ins rechte Bein. Was ist das denn jetzt? Bei jedem Auftreten ein Stich. Das darf doch nicht wahr sein. Stehenbleiben, vorsichtig dehnen, strecken, langsam weiter. Eine Muskelverhärtung ist zu spüren. Der Kollege massiert, ich dehne – und so geht es über die nächsten Kilometer. Der km-Schnitt geht hoch auf 6:24 Minuten. Weiter, quälen, die Lust zu Laufen ist schlagartig weg. Werden das wieder so ätzende letzte Kilometer? Nicht daran denken. Weiterhangeln – von km zu km. Schließlich wurde es tatsächlich wieder besser (oder das Adrenalin wirkte) und noch ein richtig schneller Kilometer über teilweise Kopfsteinpflaster bildeten den Abschluss. Am Ende gab es Adrenalin pur. Schaulaufen. Tausende von Menschen, dicht gedrängt. Lärm, Anfeuerung, Stimmung. Gänsehaut! Allein dafür lohnen sich die 42 km.
Medaille, Wärmefolie, Bananen, Orangen, Cola, Iso, Bier, Finisher-Shirt. Der Zielbereich war genauso komplett wie die gesamte Verpflegung auf der Strecke. Alle 2,5 km gab es was und ich habe es tatsächlich geschafft, mit einem friedlichen Magen ins Ziel zu kommen. Wasser und zwei Gel-Tütchen, später Ultra-Buffer (bei km 30) und Cola (die beste Cola meines Lebens) waren heute die perfekte Mischung.
Die Stimmung war grandios. Vor, während und nach dem Lauf. Diverse „Action-Points“, an denen man teilweise dreimal vorbei lief, verbreiteten jede Menge Motivation und gute Laune. Es gab aber über Land auch ruhige Streckenabschnitte, auf denen man sich ganz auf das eigene Laufen konzentrieren konnte. Alles in allem eine gelungene Veranstaltung, auf jeden Fall empfehlenswert.
Träger habe ich nun doch keine gebraucht. Auch den Weg zur und von der Kneipe, in der wir uns zu einem zünftigen Belohnungsessen verabredet hatten, legte ich problemlos auf eigenen Beinen und ohne jede Ausfallerscheinung zurück. Da haben die Münsteraner aber Glück gehabt.
Statistik:
Nettozeit offiziell: 4:08:11 (mein Forerunner zeigte 4:06:59)
km 0 – 10 0:56:34
km 11 – 20 0:56:48
km 21 – 30 0:56:01
km 31 – 40 1:01:59 (Schade …)
Und – weiter Marathon?
Klar doch!
Anmerkung:
Einen Satz aus der Broschüre des Hotels: „Der Münsteraner Radfahrer kennt keine Verkehrsregeln und kann daher auch keine befolgen.“ Das ist wohl wahr und sollte dringend beachtet werden.
Anmerkung 2:
Meine „Wellness-Massage“ dauerte tatsächlich 90 Minuten. Es wurde gründlich durchgewalkt, gestreckt, gezogen, getrommelt, gedehnt, gestreichelt, eingerieben und und und. Es war nicht unangenehm, aber halt auch nicht unbedingt läuferspezifisch.
Anmerkung 3:
Gelaufen bin ich natürlich auch schon wieder. Lockere, gemütliche 7 km am Dienstag mittag. Ein wenig schwere Beine – klar, aber keine weiteren Probleme.
90 Minuten massieren ? Da muss ich mal laufen
Ansonsten hast du das gut hinbekommen. Ich mein, die Probleme im Rücken können jeden treffen, aber du bist doch noch um einiges besser gelaufen als geplant. Und natürlich wird weiter Marathon gelaufen. Warum auch nicht. Wenn Marathon einfach wäre hieße er Fussball.
Ps: In Münster war der erste Strongmanrun 2006 und ich kann dir bezüglich der Radfahrer nur beipflichten!
Gratulation!
Danke Martin.
Aber die Massage gabs nicht in Münster, sondern zuhause als Geschenk …
Ja – es lief besser als geplant (gedacht). Zum Glück.
Wie spannend … der Bericht fingt gut an, dann der Rücken und ich hielt die Luft an und es hat sich gelohnt
Herzlichen Glückwunsch zum Finishen und natürlich Deiner Zeit und jetzt gibt es die olle Frage nicht mehr wirklich ob Du Dich nur noch auf kürzere Strecken konzentrierst, gell?!
@pienznäschen
Danke für die Glückwünsche.
Nein – die Frage ist beantwortet. Ich könnte schon den nächsten laufen und werde mich diese Woche noch anmelden (für das Frühjahr).