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Was bleibt ist …

… pure Begeisterung!

Nie wollte ich einen Marathon mit so vielen Startern laufen. Es schien mir „von allem“ zuviel, wenn 15.000 Marathonis plus 10.000 Staffelläufer auf städtischen Straßen unterwegs sind.

Vor-Start-Getümmel

Ein wenig „geschnuppert“ hatten wir ja schon im letzten Jahr bei unserer Staffelteilnahme und schon da war ich angenehm überrascht. Und das Helgas „begleiteter“ Marathon nun auf den Frankfurt-Marathon 2011 fallen würde, konnte ja niemand wissen. Aber: Versprochen ist versprochen, also wird auch gelaufen!

Ein Wagnis war es für mich, gerade mal 7 Wochen nach dem verunglückten Münster-Marathon nochmal auf die große Schleife zu gehen. „Das ist kein Problem, der folgende Marathon ist sogar oft besser als der vorangehende“ sagte jemand, der sich mit solchen Dingen auskennt. Und so war es auch. Genügend Zeit zur Erholung, genügend Zeit, um nochmals ansprechend zu trainieren und ein ausreichendes Tapering war auch noch drin. Die – nach langem intensivem Training – auftretenden Wehwehchen waren letztendlich doch kontrollierbar – Perfekt!

Die Vor-Marathon-Woche gestaltete sich extrem erholsam, lediglich zwei gemütliche 40-Minuten-Läufe wurden absolviert und tatsächlich waren die Beine am Wettkampftag leicht und locker wie schon lange nicht mehr. Helga war ohnehin kaum zu bremsen und so stand dem gemeinsamen Lauf nichts mehr im Wege.

Der Start war zäh, wie bei so vielen Leuten zu erwarten war und es dauerte nach dem Startschuss (den wir nur anhand der aufsteigenden Luftballons erahnten) fast 13 Minuten, bis die Startlinie überquert war. Endlich gehts los! Das große Feld entzerrte sich schnell und jeder hatte genügend Platz, seinen Schritt finden und auch zum Überholen fand sich immer eine Lücke. Die Taktik war einfach: nicht zu schnell beginnen und den Lauf möglichst gleichmäßig gestalten. Meine Aufgabe war, die ungeduldige junge 60-Jährige im Zaum zu halten, möglichst lange an ihrer Seite zu bleiben, um sie dann – sobald meine Kräfte nachliesen – alleine weiter zu schicken.

Die Nacht in Frankfurt war wohl etwas feucht und so mussten wir aufpassen, um nicht auf dem teilweise nassen Untergrund auszurutschen. Aber so schnell waren wir dann doch nicht und das „Gezuchtels“ kreuz und quer durch die Frankfurter Innenstadt war unerwartet kurzweilig. An manchen Stellen begegneten sich die Läuferschlangen und einige Punkte der Innenstadt passierten wir mehrfach. Schon kurz nach unsererm Start kam uns die Spitze des Feldes, die hier schon drei, vier Kilometer hinter sich hatte, auf dem Weg zum Fast-Weltrekord in beeindruckendem Tempo entgegen. Nach ca. 10 km ging es langsam raus aus der Innenstadt und über den Main Richtung Sachsenhausen. Ganz grob entlang des Mains in westliche Richtung durch ruhigere Wohngegenden.

Unser Tempo pendelte sich bei ca. 6 min/km ein und es lief locker und unangestrengt voran. Zwischen km 12 und 15 hatten wir durch „technische“ Stops einige Sekunden verloren, fanden jedoch schnell unser Tempo wieder. Helga wollte es jetzt allerdings wissen und zog mit dem Argument „wir müssen schliesslich was aufholen“ das Tempo merklich an. Mir wurde etwas mulmig ob der Tempoverschärfung, aber schließlich war sie heute „Chefin“ und so spannte ich mich vor den „Karren“. Überraschenderweise fiel mir das schnellere Laufen leichter als erwartet und die nächsten km-Zeiten bewegten sich unter die 6 min/km-Marke, sodass die HM-Marke bei 2:08 Std. durchlaufen war. Wenn wir den zweiten Teil ähnlich problemlos hinter uns bringen würden, wäre durchaus eine Zielzeit um die 4:15 Std. möglich Wer hätte das gedacht?

„Wenn ich nicht mehr kann dann läufst Du aber alleine weiter – gell?“ Hmmm – das sollte eher aus meinem Mund kommen und nicht von Helga. Was will sie mir damit sagen? Aufkommende Probleme bei km 24? Ach was – erstmal ignorieren! Bis km 28 weiterhin stabile km-Zeiten, einzig unterbrochen vom Anstieg auf die zweite Mainbrücke, der ein paar Sekunden mehr kostete.

Kurz vor dem letzten Staffelwechselpunkt – um km 28 – kam dann doch die definitive „Problem-Meldung“ von Helga. Der gesamte Lauf-Apparat machte „Mucken“. Gehpause, langsam, essen, trinken, dehnen, strecken, wieder anlaufen – geht nicht. Was jetzt? OK – wir gehen ein Stück und natürlich würde ich nicht weglaufen. Viel Gequäle, immer wieder anlaufen, Gehpausen – ganz raus? „Aber dann krieg’ ich doch keine Medaille“. Gut so – das große Ziel nochmal definiert, also sicher kein Aufgeben. Bis Zielschluss würden wir wohl auch gehend rechtzeitig ankommen …

Stück für Stück weiter. „Ich lauf’ jetzt so, wie’s halt geht“ sagte sie irgendwann und legte den km 33 in 6 Minuten zurück. Na also – geht doch wieder? Leider nicht. Mal mehr, mal weniger laufend tasteten wir uns langsam Richtung Innenstadt, wo der „Anhang“ wartete und nochmal anfeuerte. Mir bereitete das Gehen mehr Probleme als das langsame Vorauslaufen und so lief ich dort, wo sie gehen musste jeweils ein Stück voraus um dann tippelnd auf sie zu warten. Km 38, die 40er-Marke überschritten, durch die Fussgängerzonen, vorbei an Straßencafés mit den unvermeidlichen Spaßvögeln, die bei Frühstück, Bier und Zigaretten mit „klugen“ Kommentaren glänzten. Super!

Unterwegs erkannte ich dann tatsächlich Gerd, der auch ein wenig leiden musste, aber doch einige Minuten vor uns ins Ziel kam. Auch wenns nur kurz und etwas atemlos war– hat es mich sehr gefreut.

Wir kamen dem Ziel näher – langsam aber sicher! Ein Kopfsteinpflaster, immer schwierig  zum Ende eines Marathons, km 41 passiert, da stehen nochmal zwei Begleiter, rechts um die Ecke und da ist der Messeturm zu sehen. „Helga gugg – nimmie weit“. Kopf hoch und weiter – die letzten Meter, scheinbar unendlich lange geradeaus. Links rum gehts in die Festhalle, das Spektakel ist schon zu hören, hinein ins Dunkel – Lichtblitze, Laser, Nebel, Getöse, Geschrei, Jubel – und durchs Ziel. 4:36:33! Super, Helga!

Zum Schluss noch einen heissen Dank ans Bodenpersonal. Das hatte auf den ersten 10 km was von Hase und Igel. Wo wir auch hinkamen, sie waren schon da! Tausend Dank – was wären wir ohne Euch …

Zieleinlauf

Und was bleibt?
Viele Erkenntnisse. Man kann auch einen Lauf mit so vielen Teilnehmer nahezu perfekt organisieren. Wirklich sehr beeindruckend.
Von der entspannten Startnummernausgabe über die perfekt ausgestatteten, weit auseinandergezogenen Verpflegungsstellen, so dass es nirgends ernsthafte Stauungen gab bis zum Gänsehaut-Zieleinlauf war alles prima. Außer (und jetzt kommt der einzige wirkliche Kritikpunkt): die Räumlichkeiten bei den Herrenduschen sind eher eng bemessen. Vor allem die Sitz- und Ablagemöglichkeiten sind viel zu wenig, um die große Welle der 3:45 bis 4:30-Läufer aufzunehmen. Da könnte man mit wenig Aufwand Abhilfe schaffen. Die Stimmung in der Stadt selbst war gigantisch. Viel Getöse, Musikbands, „Power-Points“, TamTam, unendlich viele Menschen, außerhalb aber durchaus auch erholsame, ruhigere Abschnitte.

Für mich persönlich ging der Plan völlig auf. Noch nie habe ich einen Marathon so genossen und so entspannt hinter mich gebracht wie diesen. Nicht, dass alles federleicht gegangen wäre, aber keine Sekunde hatte ich Zweifel, problemlos das Ziel zu erreichen. Das gemeinsame Laufen hat mir riesigen Spaß gemacht.

Auch die anderen drei Starter unser kleinen, aber feinen Laufgruppe kamen (mehr oder weniger) zufrieden und unbeschadet ins Ziel. Juhu!

Nächstes Jahr wieder in Frankfurt? Das ist fast sicher!

Ausgebucht

Da haben es die Frankfurter tatsächlich geschafft und melden „ausverkauft“.
So werden wir uns also mit 15.000 weiteren Läufern auf den Weg machen auf die große Schleife um und durch Frankfurt.

NIE wollte ich bei so großen Veranstaltungen starten! „Von allem zuviel“ dachte ich immer. Aber man kann seine Meinung ja ändern – dazu beigetragen hat der letztjährige Staffellauf in Frankfurt, bei dem wir uns erstmals an den Frankfurt-Marathon gewagt hatten und die Erfahrungen waren nun soooooo schlecht nicht.

Inzwischen bin ich soweit, sogar (bisher noch ganz heimlich) über einen Start beim Berlin-Marathon nächstes Jahr nachzudenken. Mal sehen – vielleicht findet sich ja ein Mitstreiter in unserer kleinen Laufgruppe …

Trainingstechnisch bin ich gut dabei, der Münster-Marathon ist vergessen – die „langen“ habe ich alle gut absolviert, unter der Woche ein wenig locker gelassen, nicht jedes Trainingsziel „erzwungen“ sondern eher auf das Gefühl vertraut.

Dummerweise macht mir nun das „Werkzeug“ ein wenig Probleme in Form eines Schmerzpunktes auf der Oberseite des rechten Fußes. Kam langsam und schleichend und eskalierte beim letzten 32 km-Lauf zu einem massiv schmerzenden Fuß mit Ausstrahlung ins Fussgelenk. Der Arzt vermutet eine Sehnenscheidenentzündung und hat mich mit entzündungshemmendem „Material“ versorgt. Nach vier Tagen Ruhe tut „er“ so, als wäre nichts gewesen, sodass ich heute wohl einen kleinen Testlauf starten werde. Sollte es sich wirklich als Sehnenscheidenentzündung entpuppen wird es wohl eine längere Geschichte und ich sehe für die nächsten vier Wochen (inkl. Marathon) lauftechnisch schwarz. Hoffen wir das Beste!

Wenn der Hammermann …

… schon bei km 18 lauert.

4:15 sollten es sein, über 3:59 wäre ich glücklich gewesen, 4:30 sind es geworden!

Woran lags?
Gute Frage. Nächste Frage?

Gemütliche Anfahrt am Samstag und nach vier Stunden sitzen wollten die Beine ein wenig bewegt werden. 20 Minuten lockeres Traben – so stand es auch im Plan. Es war so extrem warm und schwül, das selbst diese kurze Strecke zu einer schweißtreibenden Angelegenheit wurde. Klatschnass geschwitzt schon nach wenigen Metern – vielleicht hätten wir besser darauf verzichtet? Aber damit hatten wir uns immerhin Kaffee, Kuchen und später eine perfekte Pasta-Mahlzeit bei unseren Gastgebern verdient.

In der Nacht war es ein wenig windig, beim Start immer noch (zu) warm, obwohl es sich im ersten Moment deutlich kühler anfühlte. Überhaupt nicht mein Wetter! Die Anfahrt zum Lauf war unkompliziert und zügig und der Lohn für die rechtzeitige Anreise ein Parkplatz unmittelbar beim Start. Vor dem Start das übliche bunte Treiben, die Menge versammelte sich hinter der Startlinie, es wurde eng und noch wärmer, der Sprecher gab den Einpeitscher, die Favoriten wurden vorgestellt, gute Wünsche verteilt und los gings. Welche Funktion allerdings ein Rudi Assauer bei diesem Programmpunkt erfüllte (außer ein klein wenig prominent sein und dumm rumstehen) konnte niemand so richtig erraten. Das Startpublikum war zahlreich, begeistert und laut. Wie überall bei den „Power-Points“ des Münster-Marathon.

Der Lauf führte auf den ersten 10 km durch die Innenstadt-Gassen von Münster und dort stand die Luft bewegungslos. Es war elend warm und dampfig. Schon beim ersten Verpflegungspunkt gab es mehr Wasser über – als in den Läufer.

Trotzdem ging es noch flott voran, die ersten 10 km hatten wir in 55 Min. absolviert und waren auf 3:55 Std.-Kurs. Kurz danach begannen allerdings die ersten Probleme. Die Beine wurden schwerer und das Tempo konnte ich nur noch mit Anstrengung halten. Aus der Stadt heraus, rund um den Aasee und bei km 15 schickte ich meinen Begleiter los, da ich jetzt endgültig bremsen musste. Die Sonne zeigte sich teilweise und machte das Laufen nicht einfacher.

Das Unheil nahm seinen Lauf und bei km 18 war ich kurz davor, auszusteigen. Das wäre dann das Ende meiner Karriere als Marathonläufer gewesen! 18 km absolviert und keine Ahnung, wie ich die fehlenden 24 km hinter mich bringen sollte. Aber nach der ersten Verzweiflung wollte ich die Sache doch nicht ganz so kampflos aufgeben. Also von einer Verpflegungsstation zur nächsten gehangelt – immer bemüht genug, aber trotz allem nicht zuviel zu trinken.

Bei der HM-Marke lag ich mit 2:01 Std. noch nicht mal uneinholbar weit hinter meinem 4-Std.-Fahrplan, wusste aber, dass sich der Rückstand nicht mehr verkleinern würde. Km 30 passierte ich nach 3:02 Std., die 4:15er Zugläufer hatten mich überholt und ich kämpfte immer noch. Krampf-Drohungen aus dem linken Bein, die Oberschenkel schwer, der Kreislauf meldete „demnächst Probleme“, aber ich war nicht alleine mit meinem Leiden. Viele schleppten sich mehr schlecht als recht Richtung Ziel, ständig waren Rettungswagen unterwegs. Die Versorgung war zum Glück reichlich bemessen und auch für das hintere Feld noch vollständig. Wasser, Iso, Bananen, Orangenschnitten und natürlich Cola (es gibt kein köstlicheres Cola als beim Marathon nach 35 km!).

Nachdem ich die Uhr fast nicht mehr beachtet hatte, stellte ich zwei km vor dem Ziel fest, dass ich evtl. doch noch unter 4:30 Std. bleiben könnte. Also nochmal anstrengen, aber es hat leider nicht gereicht, mit 4:30:46 überquerte ich die Ziellinie.

Durchschnaufen, Medaille abholen, Finisher-Shirt, Wärmefolie, Cola, Orangenschnitten. Auch im Zielbereich gab es von allem reichlich. Dicht belagert der Bierstand (natürlich alkoholfreies Weizen), hier musste man sich ein wenig in Geduld üben. Gut, dass ich keines wollte …

Fazit?
Ziel klar verfehlt – trotzdem halbwegs mit mir im Reinen, weil durchgebissen und NICHT aufgegeben. Wenn ich mir im Nachhinein ins Gedächtnis rufe, welche durchtrainierten „Cracks“ die gleichen Probleme hatten und dazu die hohe Quote von 20 % Nicht-Finisher dazu nehme, kann ich ja fast noch zufrieden sein, das ich das Ziel erreicht habe. Natürlich hätte ich den Lauf bei diesen Bedingungen „ruhiger“ angehen müssen. Aber wer wagt, gewinnt – oder eben nicht!

Am 30. Oktober in Frankfurt steht der nächste Marathon auf dem Plan. Dann aber ganz ohne Tempo-Ambitionen. Da gehen wir die Sache gemütlicher an, bin ich doch „nur“ Begleiter, Hase, Tempomacher, Bremser und „Wasserträger“. Grundlagen für ein sicheres Ankommen sollte ich ja nun haben.

Einen Bericht vom Lauf gibts hier, Fotoimpressionen hier.

Countdown …

So – am kommenden Sonntag ist es soweit.
„Lauf mal wieder Marathon“

Was erwartet mich? Was erwarte ICH?

MICH erwartet
– eine tolle Laufstrecke in einer schönen Stadt und drumherum,
– Halli-Galli und viel Ruhe, alles vorhanden.
– allerbestes Publikum,
– ein sehr stimmungsvoller Zieleinlauf (sofern ich das Ziel sehe)
– ein schönes, langes Wochenende mit Freunden

ICH erwarte
– durchlaufen!
– eine Zeit UNTER 4:15 Std. (wäre schön)
– eine Zeit UNTER 4:00 Std.? (wäre grandios)
– trotzdem viel Spaß!

ICH
– habe hart trainiert
– habe gut trainiert
– habe fast alle Einheiten wie vorgesehen absolviert
– habe mein „Wohlfühltempo“ deutlich gesteigert
– bin verletzungs- und erkältungsfrei durch den Sommer gekommen
– fühle einen verhaltenen Optimismus

Was bleibt?
Auf nach Münster!

Feuchte Sommernacht

Sommernachtslauf Bellheim.

Einer der wenigen verbliebenen 25 km-Läufe. Schon alleine wegen der Länge kein Lauf für „jedermann“, das offiziell bestehende Zeitlimit von 2:30 (auch wenn das wohl noch nie durchgesetzt wurde) vielleicht ein zusätzliches Hindernis.

Trotzdem finden sich jedes Jahr eine Menge Laufwillige (dieses Jahr 648 Ins-Ziel-kommer – es waren aber auch schon einige hundert mehr) ein, um die lange, flache und schnelle Strecke unter die Füße zu nehmen. Perfekt auch der Zeitpunkt im August – ein idealer Lauf, um während des Trainings für die Herbst-Marathons eine Standortbestimmung durchzuführen.

So auch bei mir. Mein Trainingsplan sah für dieses Wochenende einen Halbmarathon-Test im angestrebten Marathon-Tempo vor, in meinem Fall sollte es also auf einen Schnitt von 5:35/5:40 min für den Kilometer hinauslaufen.
Die Voraussetzungen waren gemischt. Zwar liege ich perfekt „im Plan“ und stelle bemerkenswerte Fortschritte fest, aber meine beiden bisherigen Teilnahmen in Bellheim waren eher so „lala“ und nach den Läufen ging es mir bemerkenswert schlecht – keine Ahnung warum. Zudem war es zum Start schwül und dampfig – keine Voraussetzungen für besondere Leistungen meinerseits.

Der Plan: 3 Kilometer mit ca. 6:00 min/km langsam „einrollen“, dann die restlichen 22 km im angedachten Tempo. Große Zweifel, ob ich das durchstehen könnte.
Pünktlich um 19 Uhr erfolgte der Startschuss. Die ersten 5 km führen in Schneckenform durch das Dorf, bevor es auf die lange Schleife durch die Orte Westheim, Lustadt, Zeiskam und wieder zurück nach Bellheim geht. Wieder einmal hatte ich mich bescheiden weit hinten eingeordnet, aber dort war es mir definitiv ZU langsam. Also Tempo aufnehmen und erstmal überholen.

Trotz der drückenden Schwüle ging das Laufen flott voran – von drei „langsamen“ Kilometern war keine Rede mehr. 5:30 im Schnitt waren locker zu laufen, wenngleich ein schlechtes Gewissen im Hintergrund Mäßigung verlangte. „Ich laufe jetzt mal so weiter, bis wir aus dem Dorf draußen sind, dann sehen wir weiter“. Gedacht – Getan. 5 km vorbei und spätestens jetzt sollte der Läufer wissen, ob „was“ geht oder nicht. Überaschenderweise war ich überzeugt, dass heute „was“ gehen würde – also weiter im „angenehm fordernden Tempo“, wie es mein Trainingsplan so treffend beschreibt. Flott vorwärts, nie am Anschlag, aber auf der Überholspur. Ich suchte mir diverse Gruppen und Läufer unterwegs, bei denen ich glaubte, mich „dranhängen“ zu können, aber irgendwie waren alle zu langsam.

Inzwischen hatte sich der Himmel komplett zugezogen, Gewittergrollen kam auf, ab und zu ein Blitz und bei Kilometer 10 kam die Sinntflut. Innerhalb weniger Minuten schwamm ich in meinen Schuhen. Klatschnass, kühler Wind – und immer noch Zuschauer an der Strecke. Respekt! Bei Kilometer 14 war der Wolkenbruch vorbei und es gab zur Belohnung frische, klare Luft! Langsam lief ich wieder auf Läufer auf, die auf den ersten Kilometern noch davonzogen. Zwar langsam müde, aber noch immer mit viel Zug nach vorne.

Laufen. Vorwärts. Kein Nachlassen. Keine Zweifel.
Lauter „Schleicher“ – die Überholspur gehört mir!

Ein letzter Kilometer knapp über 5:00 min/km war die Bestätigung, dass der Trainingsplan greift und erstaunliche Wirkung zeigt.
2:16:29 netto waren im Vergleich zum Sieger (1:30:47) sehr bescheiden, für mich allerdings ein nie erwartetes „Aha-Erlebnis“.
5:25 min/km im Schnitt – 10 Sekunden pro Kilometer schneller als erhofft und keinesfalls völlig am Ende.

Der Marathon kann kommen – da „geht“ was?

Eine akzeptable Vorbereitung, eine optimistisch stimmende Wettervorhersage und tatsächlich ausreichend Schlaf und Ruhephasen in den Tagen vorher sollten als Grundlage für ein Ankommen in halbwegs gutem Zustand und akzeptabler Zeit ausreichen. Nur nicht wieder so einbrechen wie vor zwei Jahren, als ich Hitze, schlechter Vorbereitung und viel zu schnellem Beginn Tribut zollte, nach 32 km die Segel strich und den Fahrdienst zum Ziel bemühen musste.

So richtig „Marathon-Stimmung“ wollte nicht aufkommen, aber man ist ja beim 10. Marathon-Start gewissermaßen schon „Profi“ (mal wieder typischer Fall von Größenwahn). Gedanken über das „Wie“ gab es allerdings zur Genüge.

„Erst mal langsam“ war die Devise. Auf eine Zielzeit von 4:30 wollte ich den Lauf ausrichten, das sollte ausreichen, um das Thema Marathon aktuell zu halten. Die beiden letzten Marathons waren nicht so wirklich zufriedenstellend. Aufwand und Ergebnis passten nicht so recht zusammen und so war es auch mal wieder eine Entscheidung Pro oder Contra Marathonlauf.

Die Anreise war wie immer problemlos und der Wunsch-Parkplatz auch noch frei. Nach Startnummernempfang inkl. Funktionsshirt, Laufsocken und einer Flasche Trollinger Wein war noch Zeit für einen Schluck Kaffee, drei bis fünf Toilettengängen und gemütliches „Fertigmachen“.

Start
Das Feld der Marathonis war überschaubar und knapp eine Minute nach dem Startschuss überquerten wir die Startmatten. Es ging flott voran – 5:30 Min. für den ersten Kilometer – das war schon wieder zu schnell. Die schattige, kühle Strecke am Neckar entlang verführte geradezu zu schnellem Tempo, aber nein – ich sollte das nicht tun! Mit durchschnittlich 6 Minuten/km waren die ersten 8 km angenehm zu laufen, bis es „in den Berg“ ging. So früh schon der härteste Anstieg. Aber besser jetzt als erst bei Kilometer 40! Ruhig, gleichmäßig bergan – bis auf die Höhe, wo tatsächlich ein Alphornspieler und einige hundert Meter weiter ein ausgewachsenes Orchester die „Bergziegen“ erwarteten.

Unterwegs
Der Lauf war begleitet von ständigem „in-mich-horchen“. Was machen die Beine, die Atmung – irgendwelche Anzeichen von Müdigkeit oder sonstigen Problemen? Nein alles gut, bis auf ein kurzes Stück nach dem steilen Abstieg, als ich das Bergablaufen deutlich in den Oberschenkeln spürte. Bergab ist halt nicht so meines …

Alles war gut, die Beine blieben locker, die Temperaturen (noch) im angenehmen Bereich – nur das Kohlensäure-Wasser vom Sponsor ging mir gewaltig auf die Nerven (und den Magen). Während des Laufes zwei Gels, ein paar Bissen Banane und weiterhin kontrolliertes Tempo. Bei km 27 eine lange Steigung in der prallen Sonne – da gings zum erstenmal richtig langsam vorwärts. Eine kurze Schwäche nur, denn gleich danach lief es bis km 34 geradezu phänomenal mit einem Schnitt von unter 6 min/km. Schnell vorbei an der Stelle meines Ausstiegs vor zwei Jahren. Diesmal kein Gedanke an Aufgabe. Weiter – konzentriert, kontrolliert, mit der Gewissheit, „es“ heute zu schaffen.

Endspurt
Ab km 32 wurde der Lauf für mich nochmal spannend, den diesen Streckenteil kannte ich noch nicht. Irgendwann würden die Halbmarathonis (die 90 Minuten nach den Marathonläufern starteten) einbiegen und die letzten Kilometer wieder viel Leben auf die Strecke bringen. Zum Ende hin musste doch ein wenig „leiden“ und auf den letzten Kilometern habe ich gegenüber der ersten Hälfte 9 Minuten verloren. Da fehlt zur Zeit noch ein wenig Ausdauer, aber bis zu den Herbst-Marathons sollte das passen.
Bei Kilometer 36 zog dann tatsächlich der 4:29-Std.-Zugläufer zügig an mir vorbei. Kann ja gar nicht sein! Im Ziel hatte ich 4:27 Std. auf der Uhr, da war der Junge schon fünf Minuten im Ziel. Gut, dass ich mein eigenes Tempo gelaufen bin!
Der letzte Kilometer war – wie immer – nochmal richtig schnell. Adrenalin, Zuschauer und die Gewissheit auf das baldige Ende lassen die Beine fliegen. Leider zog sich schon auf den letzten Kilometern meines Laufes der Himmel zu und kurz nach meiner Ankunft wurde es windig kalt, es begann zu regnen und wir zogen es vor – entgegen der urprünglichen Pläne – direkt nach Hause zu fahren. Schade, denn der Zielbereich beim Trollinger ist ein wahrer „Runners Heaven“ mit allem, was das Herz nach so einem Lauf begehrt …

Fazit

Mit einer „Wunschzeit“ im Ziel, ohne Blessuren oder größere Probleme – nahezu perfekt. Der „Trollinger“ ist jedem Marathonläufer zu empfehlen. Eine schöne Strecke, tolle Organisation, viel Stimmung in den Dörfern (dort wo es Zuschauer gibt, sind sie mit Herz und Seele dabei), aber auch ruhige Abschnitte. Für mich die perfekte Mischung! Jede Menge Verpflegung und Erfrischung unterwegs (alle 2,5 km), inklusive Trollinger-Rotwein. Darauf habe ich allerdings verzichtet.

Also – man sieht sich …

Hurra, ich lebe noch …

Bienwald-(Halb)-Marathon
Am 13. März startete der 36. Internationale Bienwald-Marathon. Eine stolze Zahl, wenn man bedenkt, dass man hier alles erwarten kann, aber sicher kein Halli-Galli-Event. So sieht man auch jedes Jahr bekannte Gesichter. Wer hierher kommt, tut das mit Absicht und meistens mehr als einmal. Die Organisation war wie immer nahezu perfekt und das Wetter ideal.
Eine kleine, nicht ganz ernst gemeinte Standortbestimmung sollte es sein. Den Trend des 20er bei der Winterlaufserie bestätigen, was mir locker gelang. Zwar waren am Ende die Beine etwas schwer, ich hatte allerdings den KM-Schnitt des 20er deutlich unterboten, obwohl ich unterwegs zu einem Bekannten aufgelaufen binn und mit diesem ein kleines Schwätzchen hielt. Ziel (und Zweck) erfüllt.

Rockie-Mountain-Lauf
Zum zweiten Mal fand dieser Lauf am 23. März statt. Mühsam, anstrengend, fordernd. Letztes Jahr hatten wir richtiges Sch…-Wetter, welches in nasskalten 3 °C auf dem Donnersberg gipfelte. Dieses Jahr gabs dafür die Entschädigung: 13 °C und Sonne. Schön. Schönes Wetter, schöne Strecke, schöner Kuchen (hinterher). Meine Laufzeit war eine Minute langsamer als im Vorjahr, was völlig ok war – so mitten im Marathon-Training. Ein sehr schöner Lauf, der dauerhaft den Einzug in den Pfälzer Laufkalender finden sollte.

Römerlauf Eisenberg
Rumms! Das war ein dickes Ding. 25 km Berg und Tal, 630 Höhenmeter mit langen Steigungen, kurzen Steigungen, steilen Abstiegen und maximal einem Kilometer wirklich flach. Für uns „Fast-Flachländler“ ein harter Lauf. Aber: es hat gnadenlos Spaß gemacht! Ich hoffe, dass auch dieser Lauf bestehen bleibt.

Trollinger-Marathon – once again
Er naht mit Riesenschritten. Die Vorbereitung war ganz ok, wenngleich meine km-Umfänge nicht ganz so umfangreich waren, wie ich das gerne hätte. Arbeitsstress, Terminkollissionen, drei Urlaubs-Tage in Berlin (eine sehr spannende Stadt), sonstige „Baustellen“ – da leidet die Vorbereitung. Die „langen“ waren so „la-la“, fürs mitlaufen und ankommen sollte es reichen.
Es ist zu befürchten, dass es wieder schrecklich warm werden wird – „beim Trollinger isch’s immer warm!“ bestätigte uns eine Helferin vor zwei Jahren – und dann ist eh’ nix mit Tempo. Im Moment bin ich noch recht entspannt deswegen, aber das wird sich ändern. Ich hab’ gelesen, dass es einen 4:30 Std.-Zugläufer geben soll. Das wäre doch ein gutes Tempo auf dieser Strecke. …