Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for November 2011

Was bleibt ist …

… pure Begeisterung!

Nie wollte ich einen Marathon mit so vielen Startern laufen. Es schien mir „von allem“ zuviel, wenn 15.000 Marathonis plus 10.000 Staffelläufer auf städtischen Straßen unterwegs sind.

Vor-Start-Getümmel

Ein wenig „geschnuppert“ hatten wir ja schon im letzten Jahr bei unserer Staffelteilnahme und schon da war ich angenehm überrascht. Und das Helgas „begleiteter“ Marathon nun auf den Frankfurt-Marathon 2011 fallen würde, konnte ja niemand wissen. Aber: Versprochen ist versprochen, also wird auch gelaufen!

Ein Wagnis war es für mich, gerade mal 7 Wochen nach dem verunglückten Münster-Marathon nochmal auf die große Schleife zu gehen. „Das ist kein Problem, der folgende Marathon ist sogar oft besser als der vorangehende“ sagte jemand, der sich mit solchen Dingen auskennt. Und so war es auch. Genügend Zeit zur Erholung, genügend Zeit, um nochmals ansprechend zu trainieren und ein ausreichendes Tapering war auch noch drin. Die – nach langem intensivem Training – auftretenden Wehwehchen waren letztendlich doch kontrollierbar – Perfekt!

Die Vor-Marathon-Woche gestaltete sich extrem erholsam, lediglich zwei gemütliche 40-Minuten-Läufe wurden absolviert und tatsächlich waren die Beine am Wettkampftag leicht und locker wie schon lange nicht mehr. Helga war ohnehin kaum zu bremsen und so stand dem gemeinsamen Lauf nichts mehr im Wege.

Der Start war zäh, wie bei so vielen Leuten zu erwarten war und es dauerte nach dem Startschuss (den wir nur anhand der aufsteigenden Luftballons erahnten) fast 13 Minuten, bis die Startlinie überquert war. Endlich gehts los! Das große Feld entzerrte sich schnell und jeder hatte genügend Platz, seinen Schritt finden und auch zum Überholen fand sich immer eine Lücke. Die Taktik war einfach: nicht zu schnell beginnen und den Lauf möglichst gleichmäßig gestalten. Meine Aufgabe war, die ungeduldige junge 60-Jährige im Zaum zu halten, möglichst lange an ihrer Seite zu bleiben, um sie dann – sobald meine Kräfte nachliesen – alleine weiter zu schicken.

Die Nacht in Frankfurt war wohl etwas feucht und so mussten wir aufpassen, um nicht auf dem teilweise nassen Untergrund auszurutschen. Aber so schnell waren wir dann doch nicht und das „Gezuchtels“ kreuz und quer durch die Frankfurter Innenstadt war unerwartet kurzweilig. An manchen Stellen begegneten sich die Läuferschlangen und einige Punkte der Innenstadt passierten wir mehrfach. Schon kurz nach unsererm Start kam uns die Spitze des Feldes, die hier schon drei, vier Kilometer hinter sich hatte, auf dem Weg zum Fast-Weltrekord in beeindruckendem Tempo entgegen. Nach ca. 10 km ging es langsam raus aus der Innenstadt und über den Main Richtung Sachsenhausen. Ganz grob entlang des Mains in westliche Richtung durch ruhigere Wohngegenden.

Unser Tempo pendelte sich bei ca. 6 min/km ein und es lief locker und unangestrengt voran. Zwischen km 12 und 15 hatten wir durch „technische“ Stops einige Sekunden verloren, fanden jedoch schnell unser Tempo wieder. Helga wollte es jetzt allerdings wissen und zog mit dem Argument „wir müssen schliesslich was aufholen“ das Tempo merklich an. Mir wurde etwas mulmig ob der Tempoverschärfung, aber schließlich war sie heute „Chefin“ und so spannte ich mich vor den „Karren“. Überraschenderweise fiel mir das schnellere Laufen leichter als erwartet und die nächsten km-Zeiten bewegten sich unter die 6 min/km-Marke, sodass die HM-Marke bei 2:08 Std. durchlaufen war. Wenn wir den zweiten Teil ähnlich problemlos hinter uns bringen würden, wäre durchaus eine Zielzeit um die 4:15 Std. möglich Wer hätte das gedacht?

„Wenn ich nicht mehr kann dann läufst Du aber alleine weiter – gell?“ Hmmm – das sollte eher aus meinem Mund kommen und nicht von Helga. Was will sie mir damit sagen? Aufkommende Probleme bei km 24? Ach was – erstmal ignorieren! Bis km 28 weiterhin stabile km-Zeiten, einzig unterbrochen vom Anstieg auf die zweite Mainbrücke, der ein paar Sekunden mehr kostete.

Kurz vor dem letzten Staffelwechselpunkt – um km 28 – kam dann doch die definitive „Problem-Meldung“ von Helga. Der gesamte Lauf-Apparat machte „Mucken“. Gehpause, langsam, essen, trinken, dehnen, strecken, wieder anlaufen – geht nicht. Was jetzt? OK – wir gehen ein Stück und natürlich würde ich nicht weglaufen. Viel Gequäle, immer wieder anlaufen, Gehpausen – ganz raus? „Aber dann krieg’ ich doch keine Medaille“. Gut so – das große Ziel nochmal definiert, also sicher kein Aufgeben. Bis Zielschluss würden wir wohl auch gehend rechtzeitig ankommen …

Stück für Stück weiter. „Ich lauf’ jetzt so, wie’s halt geht“ sagte sie irgendwann und legte den km 33 in 6 Minuten zurück. Na also – geht doch wieder? Leider nicht. Mal mehr, mal weniger laufend tasteten wir uns langsam Richtung Innenstadt, wo der „Anhang“ wartete und nochmal anfeuerte. Mir bereitete das Gehen mehr Probleme als das langsame Vorauslaufen und so lief ich dort, wo sie gehen musste jeweils ein Stück voraus um dann tippelnd auf sie zu warten. Km 38, die 40er-Marke überschritten, durch die Fussgängerzonen, vorbei an Straßencafés mit den unvermeidlichen Spaßvögeln, die bei Frühstück, Bier und Zigaretten mit „klugen“ Kommentaren glänzten. Super!

Unterwegs erkannte ich dann tatsächlich Gerd, der auch ein wenig leiden musste, aber doch einige Minuten vor uns ins Ziel kam. Auch wenns nur kurz und etwas atemlos war– hat es mich sehr gefreut.

Wir kamen dem Ziel näher – langsam aber sicher! Ein Kopfsteinpflaster, immer schwierig  zum Ende eines Marathons, km 41 passiert, da stehen nochmal zwei Begleiter, rechts um die Ecke und da ist der Messeturm zu sehen. „Helga gugg – nimmie weit“. Kopf hoch und weiter – die letzten Meter, scheinbar unendlich lange geradeaus. Links rum gehts in die Festhalle, das Spektakel ist schon zu hören, hinein ins Dunkel – Lichtblitze, Laser, Nebel, Getöse, Geschrei, Jubel – und durchs Ziel. 4:36:33! Super, Helga!

Zum Schluss noch einen heissen Dank ans Bodenpersonal. Das hatte auf den ersten 10 km was von Hase und Igel. Wo wir auch hinkamen, sie waren schon da! Tausend Dank – was wären wir ohne Euch …

Zieleinlauf

Und was bleibt?
Viele Erkenntnisse. Man kann auch einen Lauf mit so vielen Teilnehmer nahezu perfekt organisieren. Wirklich sehr beeindruckend.
Von der entspannten Startnummernausgabe über die perfekt ausgestatteten, weit auseinandergezogenen Verpflegungsstellen, so dass es nirgends ernsthafte Stauungen gab bis zum Gänsehaut-Zieleinlauf war alles prima. Außer (und jetzt kommt der einzige wirkliche Kritikpunkt): die Räumlichkeiten bei den Herrenduschen sind eher eng bemessen. Vor allem die Sitz- und Ablagemöglichkeiten sind viel zu wenig, um die große Welle der 3:45 bis 4:30-Läufer aufzunehmen. Da könnte man mit wenig Aufwand Abhilfe schaffen. Die Stimmung in der Stadt selbst war gigantisch. Viel Getöse, Musikbands, „Power-Points“, TamTam, unendlich viele Menschen, außerhalb aber durchaus auch erholsame, ruhigere Abschnitte.

Für mich persönlich ging der Plan völlig auf. Noch nie habe ich einen Marathon so genossen und so entspannt hinter mich gebracht wie diesen. Nicht, dass alles federleicht gegangen wäre, aber keine Sekunde hatte ich Zweifel, problemlos das Ziel zu erreichen. Das gemeinsame Laufen hat mir riesigen Spaß gemacht.

Auch die anderen drei Starter unser kleinen, aber feinen Laufgruppe kamen (mehr oder weniger) zufrieden und unbeschadet ins Ziel. Juhu!

Nächstes Jahr wieder in Frankfurt? Das ist fast sicher!

Advertisements

Read Full Post »